Auch wenn das bereits der zweite Artikel zur Automobilindustrie ist (obwohl das Thema dieses Blogs ganz anders lautet), muss ich aus aktuellem Anlass ein paar Überlegungen loswerden.

Im vorangegangenen Post habe ich mich dafür ausgesprochen, dass Unternehmen in Bezug auf das Problem, was sie für Kunden lösen, konsequent, aber in der Wahl ihrer Ansätze und Technologien flexibel sein müssen.

Die stringente Anwendung dieser Denkweise führt in den meisten Fällen zu einer Verschiebung der Geschäftsfelder. Ich möchte das am Beispiel der deutschen Automobilindustrie einmal genauer betrachten.

Das Problem – Zukunft verschlafen

Die deutsche Autoindustrie hat es in den letzten Jahren versäumt, sich in zukunftsfähigen Geschäftsfeldern frühzeitig zu engagieren. Viel zu lange standen individuell zu verwendende Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor im Fokus der Entwicklung.

Während andere Firmen außerhalb Deutschlands an Elektro-Fahrzeugen und völlig neuen Mobilitatskonzepten (z.B. autonomes Fahren) arbeiten, konzentriert man sich hier im Wesentlichen auf die Optimierung bestehender Technik. Darauf, wie aus dieser Not heraus Messwerte geschönt und der Verbraucher hinters Licht geführt wird, will ich an dieser Stelle gar nicht erst eingehen.

Dabei gibt es in Deutschland ganz hervorragende Ingenieure mit herausragenden Kompetenzen. Die könnten vieles machen, dürfen das aber nicht! Die Vorstände haben nunmal anders entschieden, selbstverständlich mit voller Unterstützung der lethargisch agierenden und wenig informierten Politik. Anstatt der unbequemen Wahrheit ins Auge zu sehen und grundlegende Veränderungen anzugehen, ignoriert man die Fakten und macht so weiter wie bisher.

Es nützt nunmal nichts, bestehende Lösungen mit hohem Aufwand um wenige Prozentpunkte zu verbessern, wenn ganz neue Konzepte die Anforderungen der Kunden wesentlich besser lösen.

Ist eine weitere Verbesserung der aktiven und passiven Sicherheit unserer Autos über konstruktive Maßnahmen tatsächlich notwendig, wenn zukünftig bei autonom fahrenden Fahrzeugen die komplette Sicherheit in der Steuerung liegt?

Brauchen wir wirklich immer mehr teuren und anfälligen Schnickschnack (“Extras”), wenn zukünftig eine Flotte von Fahrzeugen von vielen Menschen gemeinsam genutzt wird?

Warum haben es in Deutschland junge Menschen eigentlich so schwer, wenn sie Akku- bzw. Batterietechnik studieren möchten?

Kurzum, wir sind auf dem besten Weg hier ein Desaster anzurichten. Für unsere Volkswirtschaft, aber natürlich vor allem für die vielen Beschäftigten der Automobilindustrie, die durch willfährige Fehlentscheidungen ihre Jobs verlieren werden.

Die Zeit ist knapp, aber noch kann man handeln!

Was jetzt zu tun ist

Gemeinsam ist man stark!

Um den bereits vorhandenen Rückstand aufzuholen, müssen sich alle deutschen Automobilhersteller zusammentun und mit geballter Kraft an einer gemeinsamen Plattform arbeiten. Sozusagen eine Art technische Grundlage, auf deren Basis zukünftig alle deutschen Automobile erstellt würden.

Insbesondere geht es dabei um Dinge wie:

  • Technologische Voraussetzungen für Elektro-Fahrzeuge, Ladetechnik, Batterien, Akkus usw.
  • Standardisierung von Integration und Schnittstellen (eine Art Baukastensystem für Module)
  • Aufbau eines flächendeckenden Netzes an Ladestationen
  • Konzeption für autonom fahrende Fahrzeuge und völlig neue Mobilitätskonzepte (auch unabhängig von der Straße!)
  • Erstellung eines Betriebssystems (OS) für Fahrzeuge und Smartphones (!! hier wird es richtig spannend, ich gehe später noch ausführlich darauf ein)

Auf Basis dieser gemeinsamen Grundlage könnten die einzelnen Unternehmen wieder in Konkurrenz zueinander treten und ihre speziellen Märkte und Zielgruppen bedienen. Die einen bauen dann wieder Sportwagen, die anderen Luxuskarossen oder Fahrzeuge für Familien. Jeder, was und wie er will – allerdings auf einer einheitlichen Plattform!

Die Vorteile einer solchen Vorgehensweise sind klar: Standardisierte Technik, Schnittstellen und Komponenten sorgen für kürzere Entwicklungszeiten und Synergieeffekte. Anstatt sich in Details zu verlieren, könnte man zusätzliche Ressourcen in große und wichtige Themen investieren.

Das Problem des Betriebssystems

Vielleicht hast Du Dich ja über den letzten Aufzählungspunkt “Betriebssystem für Fahrzeuge und Smartphones” ein wenig gewundert. Ich halte gerade diesen Punkt für essenziell, um den deutschen Rückstand in Sachen Digitalisierung aufzuholen. Und zwar nicht nur in der Automobilindustrie.

Um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden, müssen zukünftig die Anwendungen, Daten und Services des eigenen Smartphones in die Bordelektronik der Autos integriert bzw. dort verfügbar gemacht werden. Vielleicht willst Du im Auto die auf Deinem Handy befindliche Playlist anhören, Dich zu einem bestimmten Kontakt navigieren lassen oder einer ganz bestimmten Person eine Nachricht schreiben. Hierzu muss Dein Auto Dein Smartphone “verstehen” bzw. mit ihm kommunizieren können. Und genau da beginnt das Problem:

Es gibt kein deutsches (europäisches) Betriebssystem für Smartphones oder Tablets!

Hier haben wir wieder einmal den amerikanischen Internet-Riesen das Feld überlassen. Apples iOS und Googles Android dominieren den Markt.

Diese Untätigkeit wird fatale Folgen für unsere einheimische Wirtschaft haben. Wer das Betriebssystem eines Smartphone bereitstellt, kontrolliert auch die Nutzerdaten des Anwenders. Wir geben also mit der Wahl des Betriebssystems auch alle unsere Nutzerdaten an die entsprechenden amerikanischen Unternehmen ab.

Beispielsweise weiß Dein Smartphone sehr genau, zu welchen Zeiten Du Dich an bestimmten Orten aufhältst. Wähle bei Deinem iPhone doch einmal Einstellungen -> Datenschutz -> Ortungsdienste -> Systemdienste -> Häufige Orte. Wenn Du hier unter VERLAUF einen Eintrag anklickst, erscheint eine Karte, die Dir Deine Aufenthaltsorte der letzten Zeit detailliert anzeigt.

Und das ist nur der Anfang. Daten sammeln kann man zukünftig (im “Internet der Dinge”) mit jedem beliebigen Gerät. Nehmen wir einfach mal das Autoradio als Beispiel. Selbst dieser vergleichsweise einfache Gegenstand ist in der Lage, eine Vielzahl von Daten über Dein Nutzerverhalten und damit Deine Persönlichkeit zusammenzutragen. Hier ein paar Dinge, die Dein Autoradio über Dich herausfinden könnte: Zeiten, zu denen Du das Auto nutzt; Dein Musikgeschmack, Art der Sender (Unterhaltung / Nachrichten), Lautstärke beim Hören, Häufigkeit des Senderwechsels usw.

Zugegeben: Für sich genommen sind alle diese Daten nicht sonderlich relevant. Gemeinsam mit anderen Informationen, die z.B über Dein Smartphone oder Dein Verhalten im Internet gesammelt werden, entsteht allerdings ein umfassendes und individuelles Persönlichkeitsprofil. Und genau um diese Profile geht es!

Kundenprofile – die Währung der Zukunft

Wer Dich und Dein Konsumverhalten genau kennt, kann Dir zum “richtigen” Zeitpunkt, ein “unschlagbares” Angebot machen.

Stell Dir vor, Amazon wüsste genau, wann Dir das Putzmittel oder Klopapier ausgeht. Über einen entsprechenden Rahmenvertrag bekommst Du dann zum optimalen Zeitpunkt Dein Lieblingsklopapier geliefert. Natürlich ganz bequem, automatisch und ohne Dein Zutun. Kein lästiges Einkaufen im Supermarkt mehr, kein Nachhauseschleppen und kein mit Kleingeld überfülltes Portemonnaie zum Bezahlen an der Kasse!

Was glaubst Du, wie viel Klopapier Rewe oder Edeka dann noch verkaufen würde? In gleicher Weise funktioniert das natürlich auch mit allen anderen Produkten. Was wird dann mit unseren einheimischen Unternehmen passieren?

Die Menschen sind nunmal bequem. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Und genau diese “einfachen und bequemen” Lösungen können nur solche Unternehmen anbieten, die genau wissen, was Deine Bedürfnisse sind und wie Du Dich als Mensch und Kunde verhältst.

In diesem Bereich haben US-amerikanische Firmen einen riesigen Vorsprung. Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt, während wir wieder mal abwarten und diskutieren. Wenn jetzt nichts passiert, werden wir riesige Probleme bekommen.

Natürlich ist nicht nur der Zeitpunkt eines geeigneten Angebots interessant. Vielmehr geht es auch um die Art und Weise, wie man Dich anspricht. Je nach Typ oder Charakter wirst Du ein individuell auf Dich zugeschnittenes Angebot erhalten. Bist Du ein schnell zu begeisternder Impulskäufer, wird Dir das Produkt dann sehr emotional, genau passend zu Deinem Lifestyle präsentiert. Bist Du eher der besonnene und rationale Typ, wird man Dich mit entsprechenden Fakten und einer Auflistung von Vorteilen oder positiver Kundenbewertungen versorgen.

Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind schier unbegrenzt. Wir wollen das an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Worauf es mir ankommt ist Folgendes:

Wir können das auch!

Deutschland (Europa) braucht ein eigenes Betriebssystem für Smartphones und Autos!

Und genau das könnte über ein Konsortium der deutschen Automobilindustrie in Angriff genommen werden. Kompetenz und Geld ist ausreichend vorhanden. Wie gesagt: auch wir haben hervorragende Ingenieure, die so etwas ohne Probleme auf die Beine stellen könnten. Wäre das nicht einmal ein schlaues Projekt, das nicht nur deutsche Autos wieder zukunftsfähig machen, sondern auch gleich der kompletten einheimischen Wirtschaft Vorteile bringen würde!?

(Denke diese Ausführungen noch einmal in aller Ruhe durch!)

An dieser Stelle schließt sich dann auch der Kreis zum Thema des Artikels. Es ging darum, wie Digitalisierung Unternehmen transformiert und Tätigkeitsfelder verschiebt. In unserem Beispiel würden die deutschen Automobilfirmen zu Unternehmen der Kommunikationsindustrie, die (vorübergehend) auch noch individuell zu betreibende Fahrzeuge verkauften.

Der bereitzustellende Kundennutzen “Mobilität” bliebe erhalten, aber die Ansätze und Technologien zur Umsetzung würden modernisiert!

Und wer weiß: in einigen Jahren wäre aus der so auf “Individualverkehr” fixierten deutschen Autoindustrie dann vielleicht der Weltmarktführer in Sachen “autonomer Mobilitätskonzepte” geworden.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Am Ende dieses Posts bleibt nur zu hoffen, dass Politik und Automobilindustrie sich endlich bewegen und anfangen, tatsächlich an unsere Zukunft zu denken. Die hier beschriebenen Zusammenhänge sind weder von mir erfunden, noch irgendwelches Geheimwissen.

Es gibt viele Experten, deren Beurteilung und Vorschläge man ganz leicht im Web findet. Man muss nur nachsehen und seine Denkweise den geänderten Rahmenbedingungen kompromisslos öffnen (wenn Du es nicht gemerkt hast, dass war ein Appell an Politik und Wirtschaft!).

Ich hoffe, wir tun das, bevor es endgültig zu spät ist…

PS.  Bei meinem nächsten Artikel werde ich nicht weiter theoretisieren 😉 . Dort wird es dann wieder um Dich als Person gehen…

 

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